Foto: Facebook GH Klinger

 

 

Lebenswerk 2023: Hedi Klinger wird von Gault-Millau fürs Lebenswerk ausgezeichnet

 

Die Köchin holte die vergangenen Jahre kulinarische Schätze vor den Vorhang

 

Was wäre ein Wirtshaus ohne eine Frittatensuppe, was wäre Österreichs Familienküche ohne Hedi Klinger? Die 89- jährige Köchin aus Gaspoltshofen, die wie eine feine Gräfin wirkt und voller Energie steckt, prägte die kulinarische Landschaft Österreichs. Und zwar nachhaltig mit Klassikern, die heute viel zu selten in der heimischen Gastronomie zu finden sind.

 

Gerichte für die Seele

„Ich habe noch nirgends so feine Saftln zum Schweinsbraten, Kalbsbraten, Rehbraten, Paprikaschnitzel oder zum Brathendl gefunden wie bei ihr“, streut Willi Klinger seiner Mama Rosen. Das Handwerk lernte Klinger in den 50er-Jahren. „Nach der schweren Kriegszeit und den mageren Jahren war man froh um einen guten Braten mit schönem Saft“, sagt sie. Hedi Klinger gilt als foto- und medienscheu. Ungern steht sie im Rampenlicht. Auch ein Kochbuch zu veröffentlichen, war für sie keine gmahde Wissen. „Es gibt schon so viele Kochbücher auf der Welt, da muss ich nicht auch noch eines machen“, sagt sie. Nahezu alle Gourmets atmeten auf, als dann ihr kulinarisches Werk erschien. 

 

 

„Hedi Klinger schuf mit ihrem Kochbuch ein Zeitdokument und beweist Gespür für traditionelle Rezepte.“

 

 

Es sind nicht viele Rezepte, aber sie weisen erstaunlichen Tiefgang auf und docken in der Seele an: eine sehr persönliche Küche. Mittlerweile sind mehr als 15.000 Stück verkauft, die fünfte Auflage ist bereits gedruckt.

Der Erfolg beruht auf der klassischen Zubereitung. Betriebsgeheimnisse gibt es für Hedi Klinger nicht. „Die Gerichte werden ohnehin bei jedem, der sie nachkocht, ein wenig anders ausfallen, weil es im Endeffekt immer auf das Abschmecken ankommt“, sagt sie. „Und was für junge Köchinnen und Köche heute als modernes Konzept gilt und mit Bezeichnungen wie ,from farm to table‘ durch die Medien geht, war für Hedi Klinger stets eine Selbstverständlichkeit und immer Teil ihres Schaffens“, schreibt der Gault-Millau-Guide und zeichnet Hedi Klinger mit dem Preis fürs Lebenswerk aus.

Auch wenn das Gasthaus vor kurzem aufgrund von Personalmangel und Mehrfachbelastungen schließen musste, was Feinspitze zusammenzucken ließ, als wäre der Salzstreuer ins Gulasch gefallen, so dominieren für viele die unvergesslichen Stunden. Gault-Millau schreibt: „Wir verneigen uns, gratulieren herzlich und wünschen das Allerbeste.“